Runge-Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung an Kolumba Museum

© Abbildung Peyrat / Kolumba (Ausschnitt)
 
"Für die einen ist es das arroganteste Museum, das sie kennen, für die anderen - nicht nur für uns Mitarbeiter - das aufregendste."   
Katharina Winnekes, 1995

Was ist das für ein Museum, wo es zum Selbstverständnis zu gehören scheint, Kultur nicht für alle, aber für viele Einzelne machen zu wollen? Wer sind diese 'Einzelnen'? Für wen ist sodann die 'einfache' und doch ungemein anspruchsvolle Konzeption dieses Kunstmuseums des Erzbistums Köln eine Möglichkeit zur Teilhabe? Und für wen nicht?

MUSEUM  DES  JAHRES

Die Reihe der Anerkennungen ist lang. 2013 wurde Kolumba Museum des Jahres. Ausgezeichnet für seine Vermittlung und gewiss auch für die außerordentliche Hülle, in der diese stattfindet: der Architektur des weltberühmten und ebenso eigenwilligen Stilpuristen Peter Zumthor.

Unwillkürlich kommt mir die Praxis der Athener Demokratie, der antiken 'Volksherrschaft' in den Sinn, an der aufgrund bestimmter Voraussetzungen und Regularien letztlich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wirklich teilhaben konnte...

Als jemand, der im Kolumba, diesem in der Tat wunderbaren ästhetischen Ort, zunächst Führungen für Menschen mit Demenz macht und dabei in der Begleitung auf viele Menschen ohne eine besondere Kunsterfahrung stößt, ist es die offene Wunde des Museums.

OFFENE  WUNDE

Dies vorausgeschickt... wurde der Friedlieb Ferdinand Runge-Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung der angesehenen Stiftung Preußische Seehandlung für das Jahr 2017 an das Kolumba Museum vergeben. In der Begründung des Jurors Matthias Flügge für die Preisvergabe an Stefan Kraus, den langjährigen Leiter des Kunstmuseums, heißt es:

  • ... Ein Ort der Kunst, der ganz auf die Gegenwart von Werken vertraut und auf die ästhetischen und geistigen Kräfte setzt, die allein aus ihrer konzentrierten Wahrnehmung entspringen können. Vermittlung ist im Verständnis von Stefan Kraus das Hervorrufen des „ästhetischen Augenblicks“ als einer nur der Kunst möglichen Erkenntnisform, die er als „existenzielle Erfahrung von Menschlichkeit“ beschreibt. Didaktik, Erklärungen oder sprachliche Vergegenwärtigungen können diesen an Werk und Raum und Zeit gebundenen Augenblick nicht ersetzen ...

KUNSTVERMITTLUNG  ALS  'SOZIALE  PLASTIK'

Wenig später wurden die Kunstvermittler des Kolumba - zu denen ich, wie schon gesagt, auch gehören darf - darüber informiert, dass diese Anerkennung zu einem Teil auch an uns weitergegeben wird: in Anlehnung an das Selbstverständnis des Kunstmuseums als einer "sozialen Plastik", an der wir durch unsere Arbeit mitwirken.

Eine ebenso überraschende wie anmutige Geste - die viel über das Selbstverständnis dieses herausfordernden Museums sagt. Stefan Kraus bezog sich in seiner Mitteilung auf seine kurze Rede bei der Preisverleihung und auf Joseph Beuys, der den Begriff geprägt hat:

  • ... das „Unkonventionelle“ unseres Museums, geht ja weder allein auf mich zurück, noch wird es von mir allein getragen. Die Kunstvermittlung in Kolumba besteht – weit mehr als es in Worten zu fassen ist – in der besonderen Atmosphäre, um die wir uns täglich neu bemühen. Als gute Gastgeber sind wir alle eben auch gute Kunstvermittler. Deshalb habe ich in Berlin folgende Verwendung des Preisgeldes vorgestellt: Ein kleinerer Teil gilt der Installation der neuen Hofarbeit von Bethan Huws, die am gleichen Tag fertig gestellt wurde und mit deren Installation wir das Neue Jahr beginnen werden.

    Der größere Teil geht in das Kunstwerk, das ich für das wichtigste halte: Er gilt der sozialen Plastik Kolumba. Der Begriff „soziale Plastik“ geht auf den Künstler Joseph Beuys zurück (1921-1986). Er bezieht sich darauf, dass eine Veränderung von Zuständen nicht allein über die Ästhetik zu erreichen ist, sondern dadurch, dass Menschen -  gleich welchen Beruf sie ausüben – ihre Aufgaben kreativ und sozial verantwortlich ausüben und dadurch plastisch auf die Gesellschaft einwirken, sie am jeweiligen Ort gestalten. Damit ist jeder Mensch Künstler und  - bezogen auf die Situation des Museums – eben auch Kunstvermittler. Dieser erweiterte Kunstbegriff hat Kolumba seit den Anfängen in den 90er Jahren begleitet ...

DAS  UNKONVENTIONELLE  IM  UNKONVENTIONELLEN

Mein aktueller Beitrag an dieser 'unkonventionellen Kunstvermittlung' ist für die laufende Ausstellung hier zu finden: Pas de deux



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